Köln – Am Sonntagmittag erhielt Claus Eßer einen Anruf seiner Frau Petra, die sich zu diesem Zeitpunkt in Belgien befand. Sie informierte ihn, dass ein gemeinsamer Mandant wegen des Diebstahls eines hochwertigen Pedelecs am Hansaring festgenommen worden sei und kurzfristig dem Haftrichter vorgeführt werde. Da sie selbst nicht rechtzeitig anreisen konnte, bat sie ihren Mann, den Termin zu übernehmen.
Hafttermin in Litewka
Wie Eßer im Gespräch mit dieser Redaktion schilderte, befand er sich zu diesem Zeitpunkt bei seiner Mutter in Köln-Sürth. Die beiden wollten am Nachmittag gemeinsam zur Sitzung der Luftflotte in den Gürzenich fahren. Auf Vorschlag seiner Frau zog er die Litewka seines Karnevalsvereins direkt an und fuhr von dort mit dem Taxi zum Polizeipräsidium. „Ich dachte, warum nicht? Das ist ja im Grunde auch eine Uniform“, sagte er.
Vor Ort meldete er sich wie gewohnt bei den Beamten an. Nach eigenen Angaben hatte er die Richterin zuvor telefonisch informiert, dass er in Uniform erscheinen werde. Beim Termin nahm er das Krätzchen ab. „Das gehört sich ja so“, erklärte er. Nach Eßers Schilderung begann die Unterredung mit einem kurzen Gespräch über den Kölner Karneval. Die Richterin habe sich interessiert gezeigt und sich nach verschiedenen Gesellschaften erkundigt, bevor das Verfahren eröffnet wurde.
Beschleunigtes Verfahren beschlossen
Der Mandant, ein 34-jähriger Mann ohne festen Wohnsitz, war laut Polizei am Sonntagmorgen am S-Bahnhof Hansaring auf frischer Tat festgenommen worden. Ein Zeuge hatte beobachtet, wie er ein Pedelec mit beschädigtem Schloss die Bahnsteigtreppe hinauftrug. Nach Angaben Eßers einigten sich Staatsanwaltschaft und Gericht im Termin auf ein beschleunigtes Verfahren. Die Hauptverhandlung sollte in der Folgewoche stattfinden.
Vom Polizeipräsidium in den Gürzenich
Noch bevor Eßer das Polizeipräsidium betrat, machte er am Nebeneingang ein Foto von sich in Litewka mit dem Gebäude im Hintergrund. Das Bild schickte er zusammen mit einer kurzen Sprachnachricht an einen befreundeten Journalisten. „Das war eigentlich nur als Jock gemeint“, sagte Eßer. Der Beitrag erschien am Abend online. Ab Montagmorgen erhielt Eßer zahlreiche Reaktionen aus seinem Umfeld.
Eßer sieht darin keine Kuriosität, sondern eine kölsche Selbstverständlichkeit. „Freud und Leid liegen nah beieinander. Zwischen Strafrecht und Karneval ist oft weniger Abstand, als man denkt“, sagte er.









