Wesseling – Rund 750 Menschen haben am Mittwoch Abschied von Hans Willi „Menny“ Meisen genommen. Die Pfarrkirche St. Germanus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Trauergäste verfolgten die Auferstehungsmesse vor dem Gotteshaus, weil sie in der Kirche keinen Platz mehr fanden. Anschließend begleiteten Familie, Freunde, Weggefährten und zahlreiche Vereinsvertreter den Trauerzug zum Friedhof an der Römerstraße.
Schon vor Beginn der Messe war deutlich, dass dieser Abschied für Wesseling kein gewöhnlicher sein würde. Vertreter zahlreicher Karnevalsgesellschaften, Vereine und Organisationen waren gekommen, um Menny Meisen die letzte Ehre zu erweisen. Die große Anteilnahme spiegelte wider, welchen Stellenwert er über viele Jahrzehnte in der Stadt hatte.

Musik und ein letzter Weg durch Wesseling
Die Auferstehungsmesse wurde unter der Leitung von Daniel Sebastian Hohberg musikalisch gestaltet. Mitwirkende waren der Kammerchor Cantamus, die Solistinnen und Solisten Andrea Graff, Heike Fischer, Henning Jendritza und Joel Urch sowie Organist Michael Wülker.
Zu hören waren unter anderem „Panis Angelicus“ von César Franck, Auszüge aus Mozarts Requiem, „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie die Kyrie aus der „Missa in C“ von Robert Jones. Den musikalischen Abschluss bildete „Time to Say Goodbye“. Gemeinsam sang die Gemeinde unter anderem „Herr, du bist mein Leben“ und zum Abschluss „Möge die Straße uns zusammenführen“.

Die Sargträger wurden von Wesselinger Vereinen gestellt. Vor der Kirche warteten bereits die Standartenträger der Karnevalsgesellschaften, des Männergesangvereins 1844 Wesseling und der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Wesseling vor 1518.

Der Trauerzug führte anschließend durch die Innenstadt zum Friedhof an der Römerstraße. Vor dem Blumenhaus Engels & Meisen hatte die Familie ein großes Porträt mit den Worten „Mach’s gut Menny“ aufgestellt. Viele Trauergäste richteten beim Vorbeigehen noch einmal den Blick auf das Bild. Für viele Wesselinger war das Blumenhaus seit Jahrzehnten weit mehr als ein Geschäft. Es war ein Ort der Begegnung und eng mit Menny Meisen und seiner Familie verbunden.

Am Grab verabschiedeten sich Familie, Freunde sowie Vertreter aus Vereinen, Politik und Stadtgesellschaft. Die Musikfreunde Urfeld begleiteten die Beisetzung mit kölschen Liedern. Anschließend kamen viele Trauergäste im Pfarrheim St. Germanus zu „Mennys letzter Party“ zusammen.
Drei Symbole erzählen vom Menschen Menny
Den bewegendsten Teil der Trauerfeier bildete die persönliche Rede von Monika Engels Welter. Sie beschrieb Menny Meisen anhand von drei Symbolen. Dem Buchstaben Y, der Farbe Rot und der Zahl 90.
Zu Beginn erinnerte sie an einen Satz, den viele mit ihm verbinden.
„Hast du eigentlich dicke Milch im Kopf?“
Ein Satz, den Menny oft mit einem Augenzwinkern sagte und den viele sofort wiedererkannten.
Geboren und getauft wurde er als Hans Willi Meisen. Sein Vater nannte ihn liebevoll „Männlein“. Daraus wurde später Menny. Geschrieben mit einem bewusst gewählten Y.
Dieses Y stand nach ihren Worten für einen besonderen Menschen. Für jemanden, der hilfsbereit, großzügig und verlässlich war. Wer Werkzeug brauchte, einen Anhänger, ein Auto oder einfach Hilfe beim Anpacken, musste Menny meist nur einmal fragen.
Sie verschwieg aber auch seine Ecken und Kanten nicht. Er konnte laut werden. Er konnte poltern. Und manchmal war er stur. Hinter dieser direkten Art habe sich jedoch ein warmherziger und verletzlicher Mensch verborgen. Seine Familie habe für ihn immer an erster Stelle gestanden. Wer einmal zu seinem engsten Kreis gehörte, auf den ließ er nichts kommen.
Rot war seine Farbe
Rot stand zunächst für die Liebe zu seiner Frau Gabi. Kennengelernt hatten sich beide auf einer Feier. Anfangs habe sie noch gegen Mennys erste große Liebe antreten müssen. Den Fußball. Später habe er erkannt, wer seine wahre Liebe war.
Rot erinnerte auch an seine roten Haare als Kind. In der Familie habe man scherzhaft gesagt, man könne ihn in einen dunklen Keller stellen und er würde trotzdem leuchten.
Vor allem stand Rot für seine Leidenschaft. Für seine Familie. Für den 1. FC Köln. Für den Karneval. Für den Chorgesang. Für seine Freunde. Für seine Postfamilie. Für die Prinzenfamilie. Und für das gesellschaftliche Leben in Wesseling.
Halbe Sachen habe Menny nicht gekannt.
Während seiner Zeit als Karnevalsprinz im Jahr 2012 habe sich das besonders gezeigt. In der Trauerrede fiel ein Satz, der vielen ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
„Menny kam nicht. Er erschien.“
Rot stand aber auch für die Momente, in denen Menny „rot sah“. Wenn ihm etwas ungerecht erschien oder nicht nach seiner Vorstellung lief, sagte er seine Meinung deutlich. Danach habe man sich aber genauso wieder zusammensetzen, gemeinsam essen und ein Kölsch trinken können.
Die Zahl 90
Die Zahl 90 erinnerte zunächst an seine große Liebe zum Fußball. Spiele des 1. FC Köln oder der Nationalmannschaft schaute er gemeinsam mit seiner Familie. Manchmal brannte sogar eine Kerze, damit der FC nicht abstieg.
Doch die Zahl stand für weit mehr.
Die 1990er Jahre waren prägende Jahre seines Lebens. 1993 heirateten Menny und Gabi. 1994 wurde Sohn Maximilian geboren. 1997 folgte Lucas. In dieser Zeit übernahm die Familie auch das traditionsreiche Blumenhaus am Wesselinger Markt, das seit mehr als 90 Jahren in Familienhand war.
Auch das Spielen gehörte zu seinem Leben. Monopoly mit der Familie. Skat. Schocken an der Theke. Backgammon im Urlaub. Bei Feiern sei Menny oft einer der Letzten gewesen, die nach Hause gingen. Deutlich länger als 90 Minuten.
Zum Ende ihrer Rede sagte Monika Engels Welter:
„Menny, bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich und uns alle fest in seiner liebenden Hand. Maach et joot.“

Persönliches Wort des Herausgebers
Normalerweise berichten wir bei Erftkreis News sachlich über das Geschehen in unserer Region. Der Abschied von Menny Meisen war für Wesseling jedoch mehr als eine Nachricht.
Ich habe Menny über viele Jahre immer wieder erlebt. Bei Veranstaltungen. Im Karneval. Im Vereinsleben. Und natürlich auch in seinem Blumenhaus. Wir haben Gespräche geführt und sind uns oft begegnet. Wie viele Wesselinger kannte auch ich ihn als einen Menschen, der einfach zum Stadtbild gehörte.
Die Bilder dieses Tages haben gezeigt, welchen Platz Menny Meisen in Wesseling hatte. Eine volle Kirche. Hunderte Menschen vor dem Gotteshaus. Ein Trauerzug mit zahlreichen Vereinen. Viele bekannte Gesichter, die ihm die letzte Ehre erwiesen haben. Das erlebt eine Stadt nicht oft.
Nicht jeder muss einem Menschen besonders nahestehen, um seinen Verlust zu spüren. Es gibt Persönlichkeiten, die über Jahrzehnte Teil des Lebens einer Stadt werden. Menny Meisen war für viele Wesselinger genau so ein Mensch.
Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Frau Gabi, seinen Söhnen Maximilian und Lucas sowie der gesamten Familie und allen, die um ihn trauern.












