Köln – Das Ordnungsamt stellt am späten Freitagabend dem Tourbus der Kölner Karnevalsband „Scharmöör“ einen Strafzettel aus. Die Kontrolle erfolgt während des Auftritts der Band bei einer Karnevalssitzung im Sartory. Ein Mitarbeiter verweist bei Fragen nach der Zuständigkeit explizit auf Oberbürgermeister Burmester, der zeitgleich bei einer ARD-Aufzeichnung im Gürzenich feiert.
Kontrolle des Ordnungsamts während laufender Karnevalssitzung
Der Tourbus von „Scharmöör“ wird am Freitag gegen 23.30 Uhr in unmittelbarer Nähe des Sartory von Mitarbeitenden des Kölner Ordnungsamts kontrolliert. Der Wagen ist während des Bühneneinsatzes der Band für das kurzfristige Ein- und Ausladen von Technik abgestellt. Der Außendienst der Stadt Köln stellt ein Verwarnungsgeld aus und verzichtet auf eine Duldung der Haltezeit.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Band diente das Abstellen des Fahrzeugs ausschließlich logistischen Zwecken. In derselben Nacht kontrolliert der Ordnungsdienst nach übereinstimmenden Beobachtungen auch weitere Künstler- und Technikerfahrzeuge. Die Stadt Köln nimmt keine öffentliche Einordnung zu Anlass oder Zielrichtung des Einsatzes vor.
Verweis auf feiernden Oberbürgermeister als zuständige Instanz
Im Zuge der Kontrolle spricht der Fotograf Dirk Loerper die städtischen Mitarbeitenden an und bittet um Auskunft. Diese verweisen nach seiner Schilderung direkt auf Oberbürgermeister Torsten Burmester als zuständige Stelle und empfehlen, Beschwerden dort zu adressieren. Zu diesem Zeitpunkt hält sich Oberbürgermeister Burmester bei der ARD-Karnevalsaufzeichnung im Gürzenich auf und repräsentiert die Stadt.

Ob eine Abstimmung zwischen Außendienst und Verwaltungsspitze vorliegt, bleibt unklar. Der explizite Hinweis auf den Oberbürgermeister stellt dennoch einen Zusammenhang zwischen Ordnungsmaßnahme und Stadtführung her.
Keine Kulanz beim Kölner Karneval trotz etablierter Praxis
Das kurzfristige Halten von Bandfahrzeugen in unmittelbarer Bühnennähe zählt im Sitzungskarneval seit Jahrzehnten zur Praxis. Hintergrund sind knappe Zeitfenster und Veranstaltungsabläufe. Der Ordnungsdienst zeigte hier in den vergangenen Jahren regelmäßig Kulanz. In der laufenden Session erfolgt hingegen eine konsequente Sanktionierung durch Strafzettel.
Betroffene aus dem Karnevalsumfeld äußern Unverständnis über die restriktive Handhabung und heben die gleichzeitige Abwesenheit des Oberbürgermeisters im offiziellen Karnevalskontext hervor. Das Vorgehen wird als Ausdruck eines Bruchs zwischen Repräsentation und konkreter Ordnungspolitik gewertet.
Fehlende Regelung und wiederkehrende Konflikte
Bereits in früheren Jahren wurden Bandfahrzeuge wie der Tourbus der „Paveier“ nach Einsätzen im Karneval durch Strafzettel belegt, ohne dass eine öffentliche Bewertung durch die Stadt erfolgte. Eine klar definierte Regelung oder temporäre Ausnahmen zur logistischen Unterstützung des Sitzungskarnevals gibt es weiterhin nicht. Die Struktur- und Abstimmungsfrage zwischen Außendienst und Verwaltung bleibt offen.








